Zitat: Was ist guter Journalismus? (I)

„Journalismus heute muss die Zeit neu erfinden, die Zeit stillstellen, zeigen, dass die permanente Dynamik, die forcierte Info-Raserei nirgendwohin führt, Journalismus muss abbremsen. … Der homo digitalis neigt zur Weltfresserei, Weltvöllerei, er schlägt sich ohne Unterlass den Kopf und Magen voll mit Weltbild und Weltbild, gleichzeitig macht er kaum noch reale Erfahrungen, die diesen Welthunger stillen, diesen Erfahrungshunger. Guter Journalismus bringt die Welt in die Reichweite des Lesers, ohne gleichzeitig das Verlangen nach noch mehr Weltfresserei zu wecken.“

 

Dieter Anschlag in Medienkorrespondenz, 05/2016 (online)

Situation der Auslandsjournalistinnen und -journalisten

„Der Kosten- und Aktualitätsdruck sorgt dafür, dass freie Auslandskorrespondenten mehr noch, als ohnehin schon nötig wäre, wirtschaftlich-strategisch handeln müssen.“ Das könne dazu führen, dass über einzelne Regionen kaum noch berichtet würde, schreibt Tim Kukral in seiner kürzlich erschienenen Studie „Arbeitsbedingungen freier Auslandskorrespondenten“.

Die „Vereinheitlichung der internationalen Berichterstattung“ könnte eine mögliche Folge dieser Entwicklung sein, so Horst Pöttker in seinem Vorwort. Dieser Verlust der Vielfalt und Qualität könne letztlich auf eine Einschränkung der Informationsfreiheit des Publikums hinauslaufen.

 

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Medienverlage und Lobbyorganisationen als Kooperationspartner

In „Ausverkauf des Journalismus – Medienverlage und Lobbyorganisationen als Kooperationspartner“ betrachtet Marvin Oppong eine strukturelle Entwicklung genauer, die bisher von Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft relativ unbeachtet blieb. Der Autor beschreibt die zunehmenden Kooperationen von Zeitungsverlagen mit Lobbyorganisationen und analysiert sie unter den wichtigen Fragestellungen der Unabhängigkeit und Objektivität der Redaktionen und ihrer Berichterstattung. Dabei warnt er vor erheblichen negativen Konsequenzen, wenn diese Entwicklungen in ihrer jetzigen Form weitergehen.

 

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Zitiert: Wie die Krise des Journalismus begann

„Aber stimmt die Vorstellung, Journalisten und Politiker als diskutierende Eliten zu betrachten, überhaupt? Das ist die klassische Vorstellung des Leitartiklers, der mit seinen Kommentaren der Politik kluge Ratschläge geben will. Aber das betraf eben nicht „die Journalisten“, sondern nur eine kleine Schicht…

Zitiert: Themen managen, ohne sie im Ansatz zu begreifen

„Viel relevanter für unser Tun erscheint mir die Trägheit, Gleichgültigkeit unserer Branche, die nur noch „Content“ zu kennen scheint, aber keine Recherche mehr, die Themen „managen“ und „choreographieren“ will, ohne sie auch nur im Ansatz zu begreifen. Wenn sich Redaktionen damit zufrieden geben, bei einem Massaker, einem Giftgasangriff, einem Flugzeugabschuss die eine Seite zu zitieren, dann die andere Seite und das Ganze abschließend als Ausgewogenheit bezeichnen – dann haben sie ihren Beruf verfehlt. Unklarheit kann Beginn einer Recherche sein, aber niemals ihr Ergebnis“

 

„Spiegel“-Korrespondent Christoph Reuter im Interview mit kress.de, 16.11.2015, (online)