Noch mehr plagt mich jedoch folgender Gedanke: Was, wenn es sich bei dem Zuschauer, der bloß nichts Politisches, Düsteres, Irritierendes sehen will und dem ich und meine Kolleg:innen so fleißig nach der Nase schreiben, womöglich um einen AfD-Anhänger, Verschwörungstheoretiker oder sonstigen Populisten handelt?
Begründungen zu Absagen von Vorschlägen oder drehfertigen Projekten deuten für uns darauf hin. So wie auf die Heidenangst, die der ÖRR vor diesem Zuschauer hat. Sie ist so stark, dass man nicht mal mehr darüber nachdenken will, wie man ihn locken könnte, sich für eine Weile in eine fremde Welt zu begeben und sich in Figuren zu versetzen, die anders leben, handeln und denken.
Schade. Denn das macht die Qualität und Stärke von fiktionalen Geschichten ja aus.
Karlotta Ehrenberg, taz.de, 04.10.2026 (online)

