Zitiert: Denken in Streamingformaten verändert auch den Fernsehjournalismus

Man sollte etwa nicht davon ausgehen, dass es auf Dauer folgenlos für die Wahrnehmung von Politik bleibt, wenn Politikjournalismus sich vor allem als Berichterstattung über Streit in der Koalition darstellt (Altpapier) – weil es beim Publikum „funktioniert“.  […]

Unabhängig von diesem Einzelbeispiel verweist die Inflation der Dokuserien, ob über Sport-, Promi- oder Parteithemen, meines Erachtens auf ein Problem: Vermutlich war die Zahl der sechs- bis zehnminütigen Beiträge, die in politischen und Auslandsmagazinen bei ARD und ZDF zu sehen sind, nie geringer als 2025 und 2026. Dafür greift die Machart des Streamings zunehmend auf journalistische Themen über. Auch wenn einige der so entstandenen Serien sehenswert sind, sollten die Öffentlich-Rechtlichen bei ihren Versuchen, im Kampf ums Publikum mit den bisweilen effekthascherisch arbeitenden Streamingdiensten mitzuhalten, vielleicht nicht vergessen, dass Journalismus nicht wirklich netflixfähig ist. Wenn er das wäre, gäbe es viel mehr politischen Journalismus bei Netflix.

Klaus Raab, MDR Altpapier, 02.10.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)