Zitiert: Soll man aus Filmen alles entfernen, was weh tut?

Auf Drängen von Nastassja Kinski hat Wim Wenders aus seinem Film „Falsche Bewegung“ eine Szene getilgt, die sie halbnackt als Dreizehnjährige zeigt. Jetzt fragt sich die Deutsche Filmakademie, was daraus in Zukunft folgt. […]

Das war ein Fehler, findet die Regisseurin Jutta Brückner. Denn durch das Wegschneiden der Bilder, in denen Kinskis Figur Mignon vom Hauptdarsteller des Films erst geohrfeigt und dann gestreichelt wird, fehle der Geschichte „eine entscheidende Dimension: die von Wilhelms problematischer Sexualität“. In der Darstellung dieser von Unreife und Unsicherheit geprägten Sexualität steckt für Brückner, die 1941 geboren ist und somit zur gleichen Generation wie Wenders gehört, der zeitgeschichtliche Wert von „Falsche Bewegung“. Der Film erzähle neben seinen Anspielungen auf den Nationalsozialismus auch eine Schlüsselgeschichte über Geschlechterverhältnisse in der Nachkriegszeit aus männlicher Perspektive. Durch die Entfernung der Mignon-Nacktszene werde er nun „auf die alte Geschichte von Vätern und Söhnen“ reduziert. […]

Die Wahrheit liegt jetzt in den Archiven. Dort muss sie bleiben dürfen.

Andreas Kilb, faz.net, 05.10.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)