Auf Drängen von Nastassja Kinski hat Wim Wenders aus seinem Film „Falsche Bewegung“ eine Szene getilgt, die sie halbnackt als Dreizehnjährige zeigt. Jetzt fragt sich die Deutsche Filmakademie, was daraus in Zukunft folgt. […]
Das war ein Fehler, findet die Regisseurin Jutta Brückner. Denn durch das Wegschneiden der Bilder, in denen Kinskis Figur Mignon vom Hauptdarsteller des Films erst geohrfeigt und dann gestreichelt wird, fehle der Geschichte „eine entscheidende Dimension: die von Wilhelms problematischer Sexualität“. In der Darstellung dieser von Unreife und Unsicherheit geprägten Sexualität steckt für Brückner, die 1941 geboren ist und somit zur gleichen Generation wie Wenders gehört, der zeitgeschichtliche Wert von „Falsche Bewegung“. Der Film erzähle neben seinen Anspielungen auf den Nationalsozialismus auch eine Schlüsselgeschichte über Geschlechterverhältnisse in der Nachkriegszeit aus männlicher Perspektive. Durch die Entfernung der Mignon-Nacktszene werde er nun „auf die alte Geschichte von Vätern und Söhnen“ reduziert. […]
Die Wahrheit liegt jetzt in den Archiven. Dort muss sie bleiben dürfen.
Andreas Kilb, faz.net, 05.10.2026 (online)

