Besonders wenn man Unterhaltung zu aktuellen Themen schafft, das zeigt auch meine kleine Umfrage unter Kolleg:innen im Deutschen Drehbuchverband (DDV). Im Krimi waren Geschichten aus der Gegenwart und selbst Politisches bisher noch möglich. Aber auch in diesem Genre wird das Spielfeld kleiner. Statt von Gewalt zu erzählen, die aus gesellschaftlichen Konflikten entsteht, werden Bösewichter präferiert, die möglichst wenig mit uns zu tun haben. Bringen wir sie hinter Gitter, ist die Welt wieder in Ordnung.
Komme ich mit komplexeren Geschichten an, lächeln die Produzent:innen meist nur müde. „So was kann ich den Sendern gerade nicht anbieten.“ Ich kann es ihnen nicht verübeln. Seitdem der ÖRR die Budgets für das fiktionale Programm massiv gekürzt hat, ist der Markt so umkämpft wie noch nie. Hier mit einem Stoff zu überzeugen, der keinen völligen Eskapismus verspricht, ist – wenn überhaupt – nur mit sehr viel Einsatz und unter großem Risiko möglich.
Beides wollen sich viele Produzent:innen jedoch nicht leisten, zu sehr hängt ihr Job vom nächsten Film und der Gunst des Zuschauers ab. Auch für Redakteur:innen können miese Quoten und Shitstorms unangenehme Folgen haben, für uns Kreative haben sie das immer.
Karlotta Ehrenberg, taz.de, 04.10.2026 (online)

