Lese-Tipp: Aufmerksamkeit und Ignoranz – Die öffentliche Meinung als Konstrukt

Was ist die öffentliche Meinung? Wie äußert sie sich, und wie kann man sie vermessen? Wie hat sie sich durch soziale Netzwerke verändert? Diesen Fragen geht der Soziologe Michael Jäckel in diesem Gastbeitrag nach. Die Möglichkeiten, sich zu informieren, sind durch das Internet vielfältiger geworden, schreibt er, doch wem vertraut der Einzelne auf der Suche nach Information? Das Informationsverhalten im Alltag beruht auf Konventionen und Gewohnheiten, Alte informieren sich anders als Junge, wer in der Stadt lebt, nimmt andere Informationen wahr als die Menschen auf dem Land.

Michael Jäckel, epdmedien, 11.3.2022 (online)

Zitiert: Im Mediensystem regiert der Imperativ der Aufmerksamkeit

Im Mediensystem regiert der Imperativ der Aufmerksamkeit. Superlative, Sensationen, Dinge, die es so noch nicht gab: Das Spiel des Jahres, der Spieler des Jahrhunderts. Das, was wir so nicht erwartet haben. Über Politik, Kultur, Wirtschaft wird heute nicht nur weniger berichtet als noch vor 30 oder 40 Jahren, sondern auch anders. Atmosphäre statt Programmdiskussion. Konflikte zwischen Spitzenpersonal statt Streit um Inhalte. Schulz gegen Gabriel gegen Nahles. Was so eine Partei will, ist am Ende völlig egal. Also redet die Partei vor allem über Gesichter und darüber, wer was wann in der Presse sagen darf.

 

Michael Meyen, kress.de, 01.03.2018 (online)

Zitiert: Facebook versorgt den Stammtisch mit Crystal Meth

In Wahrheit geht es ums Geschäft. Im Gegensatz zum Konkurrenten Google, der sich als Holdingfirma Alphabet neu definiert hat, kann Facebook mit seinem Fokus auf Anzeigen kaum noch wachsen. Das muss es als börsennotiertes Unternehmen aber. Doch fast jeder Mensch, der Zugang zum Internet hat, ist bei Facebook angemeldet. Wenn also die Zahl der Nutzer nicht mehr steigen kann, muss es eben das Volumen der Nutzungen. Das aber funktioniert nur über Emotionen.

 

 

Andrian Kreye, sueddeutsche.de, 15.01.2017 (online)

Zitat: Aufmerksamkeit für Journalismus im Internet – 7 Minuten sollen Verlage retten?

Für Ernüchterung auf beiden Seiten könnte indes dieses Ergebnis der aktuellen ARD-ZDF-Online-Studie sorgen: Von den 45 Minuten, die die Deutschen täglich für internetbasierte Mediennutzung aufwenden, entfallen nur sieben Minuten auf das Lesen von Artikeln. Der Löwenanteil der Aufmerksamkeit gilt Musik, Podcasts und vor allem Videos. Der Verteilungskampf dreht sich also im Grunde nur um diese sieben Minuten. Die Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen liest journalistische Angebote im Netz durchschnittlich immerhin 16 Minuten lang. Aber auch das ist – leider – nicht viel.

 

Volker Lilienthal, causa.tagesspiegel.de, 07.12.2017 (online)

Zitat: Facebooks Aufmerksamkeits-Maximierungs-Strategie

Wer die Suchtgefahr maximieren wolle, müsse die Aktion eines Nutzers (das Aktualisieren einer Webseite, das Öffnen der Facebook-App) mal belohnen, mal ins Leere laufen lassen. „Die Suchtgefahr ist am stärksten, wenn die Belohnungsrate am deutlichsten variiert.“ Wer nicht weiß, wann die nächste Belohnung fällig ist, schaut öfter nach.

 

Hakan Tanriverdi, Süddeutsche Zeitung, 08.06.2016 (online)