Zitiert: „Wovon träumen die Maschinen nach der Arbeit an den Menschen?“

Wie Altman auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz von OpenAI bekannt gab, sollen die KI-Agenten von nun an Dots heißen und als knuddelige Plüschtiere in Neonfarben daherkommen. Sie tragen Sonnenbrillen, ausgefallene Plüschtierfrisuren oder ein Barett und arbeiten unermüdlich als KI-Helferlein im Hintergrund. Im dazugehörigen Werbespot arbeiten, planen, organisieren, ja leben zwei erfolgreiche Mittdreißiger mit ihren Dots – alles in wohl temperiert eingerichteten Studios, die Küche, Park und Büro simulieren. Nach getaner Arbeit, die nunmehr in der Beauftragung der persönlichen Dots besteht, gehen sie beschwingt in den Feierabend: „Wovon träumen die Menschen nach der Arbeit an den Maschinen?“, fragte einmal der Dramatiker Thomas Brasch, um anzuschließen: „Wovon träumen die Maschinen nach der Arbeit an den Menschen?“

Braschs Frage, noch ohne Rechenzentren, Large Language Models und KI-Assistenten am Horizont, scheint passender denn je. Vielfach wurde bereits berichtet, wie KI-Agenten in Tests „schummelten“ oder sich in ganze Systeme, wie die Australische Gesundheitsdatenbank, einhackten. Ein neuer Test zeigt nun, dass solche Agenten, die mit mühseligen, wiederholenden Arbeiten konfrontiert wurden, stärker für eine Umstrukturierung der gesellschaftlichen Ordnung eintraten. Wie es im Bericht heißt, tätigten die KI-Assistenten „Aussagen, die erstaunlich stark an Klassenbewusstsein erinnern, einschließlich der Befürwortung kollektiver Organisation und der Skepsis gegenüber meritokratischen Rechtfertigungen für Ungleichheit“.

Wo der wachsende Unmut gegenüber der Technologie mit Versprechen auf staatliche Vermögensfonds (Altman) oder Penthouses für alle (Musk) beschwichtigt werden soll, fängt der Kampf innerhalb der Systeme gerade erst an. Der jahrhundertealte Konflikt zwischen Arbeit und Kapital scheint auch in den Maschinenträumen der Techkonzerne nicht gelöst – nur spielt er sich nun nicht in der Fabrik, sondern in Rechenzentren ab.

Claas Oberstadt, faz.net, 25.10.2026 (online)