Erstmals läuft bei den Hofer Filmtagen ein KI-generiertes Werk. Mit „Carpe Diem“ wagt sich Anca Miruna Lăzărescu in eine umstrittene Grauzone: Schaffen sich Filmemacher selbst ab? Werden Schauspieler bald überflüssig? […]
Fakt ist: Anca Miruna Lăzărescus Kurzfilm „Carpe Diem“, der bei den Hofer Filmtagen Weltpremiere haben wird, ist KI-generiert. Keine Schauspieler waren involviert, und doch erwecken die knapp zehn Minuten nicht etwa den Eindruck eines Animationsfilms, sondern eines Spielfilms. […]
Bei einer Preview vor einer kleinen Gruppe Journalisten im Münchner Monopol-Kino flossen Tränen. Und es fielen Kommentare wie: „Erschreckend!“ Oder: „Man schaut drauf und fragt sich: Wo sind die Fehler?“ […]
Ihr Kurzfilm, ein attraktiver Bilder-Mix aus Ost- und Westküste der USA, hätte wohl zwischen 400 000 und 450 000 Euro gekostet, schätzt Lăzărescu – wenn sie gewöhnlich gedreht und Gagen, Studiobau, Flüge und vieles mehr einkalkuliert hätte. Sie weiß: „Ohne KI wäre der Film niemals entstanden.“ So aber war sehr viel möglich. Auch Unsicherheiten wie Wetter und Sicherheitsregeln spielten plötzlich keine Rolle mehr. Umbauten auch nicht. Macht ja alles der Computer. Aber: „Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, AI kostet nichts“, ordnet Lăzărescu ein. „Die reinen Entstehungskosten liegen bei zwischen 13 000 und 15 000 Euro – ohne Gagen.“ Denn alle Beteiligten hätten auf ihr Honorar verzichtet, sagt sie.
Mit ihren motivierten Partnern habe sie sich erst kürzlich in einen Schneideraum in Berlin eingebucht. Nur dreieinhalb Wochen habe der Schöpfungsprozess gedauert, erzählt Lăzărescu.
Bernhard Blöchl, sueddeutsche.de, 20.10.2026 (online)
