Ostdeutschland kommt gemessen an der Einwohnerzahl häufiger in der „Tagesschau“ vor als Westdeutschland – und häufiger mit dem Schwerpunkt rechte Politik. Dies geht aus einer quantitativen Inhaltsanalyse von Medienwissenschaftlern der Universität Leipzig zu 1.000 aufeinanderfolgenden Ausgaben der „Tagesschau“ um 20.00 Uhr hervor. […]
Auf eine Million Ostdeutsche kamen 37 Nennungen, im Vergleich zu 15 pro eine Million Westdeutsche. „Sachsen wird um ein Vielfaches häufiger namentlich erwähnt als das nach Bevölkerungszahl vergleichbare Rheinland-Pfalz“, schreiben die Forscher.
In 24 Prozent der Sendungsabschnitte mit Bezug auf Ostdeutschland ging es um ein Thema im Zusammenhang mit rechter Ideologie, wie es in der Auswertung im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Leipziger Unternehmens Hoferichter & Jacobs heißt. Bei westdeutschen Ländern war das nur in 5 Prozent der Abschnitte Thema.
Insgesamt entfiel der Studie zufolge ein Viertel der Berichterstattung über Ostdeutschland auf die Themen Wahlen und Wahlkampf. In die Zeit der ausgewerteten Sendungen zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 27. September 2025 fielen Wahltermine in Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Doch gab es in der Zeit auch vier Landtags- und Bürgerschaftswahlen im Westen. Dort machte der Anteil von Berichten über Wahlen und Wahlkampf laut Studie nur 13 Prozent aus.
Dafür ging es in 19 Prozent der Berichte über westliche Bundesländer um Wirtschaft, Infrastruktur oder Arbeitsmarkt – im Vergleich zu 9 Prozent bei den ostdeutschen Ländern. In der Berichterstattung wurde auch viel häufiger „ostdeutsch“ erwähnt. Die Forscher zählten 152 Nennungen – mehr als für westdeutsch, norddeutsch und süddeutsch zusammen. Der „Westen“ sei der Normalfall, der Osten die „markierte Kategorie“, halten die Forscher fest.
dpa, digitalfernsehen.de, 29.09.2026 (online)
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