Zitiert: Im digitalen Medienmarkt zählen Klicks und Abonnements

Welche Seite moralisch empört ist und welche über Ungeschick klagt, hängt nicht vom Satz ab. Es hängt davon ab, welches Publikum bedient werden will. Das hat weniger mit Gesinnung zu tun als mit Geschäft. Im digitalen Medienmarkt zählen Klicks und Abonnements, und beides bekommt man am zuverlässigsten, wenn man den Lesern gibt, was sie ohnehin bereits denken. Wer sein Publikum bestätigt, am besten noch mit emotionaler Verstärkung, verkauft Abos. Wer die Meinungen der Leser irritiert, riskiert Kündigungen. Skandalisierung ist in dieser Logik kein Ausrutscher, sondern eine betriebswirtschaftlich vernünftige Entscheidung.

Das Publikum spielt bisher bereitwillig mit. Die Zahlen für gekaufte digitale Medienformate und Nachrichtenangebote als Paid Content sind nicht einfach nur stabil – sie wachsen. Es entsteht ein Kreislauf: Ein zersplittertes Publikum verlangt zugespitzte Inhalte. Die Zuspitzung verhärtet die Lager. Die Lager meiden einander noch konsequenter, und die Medien spezialisieren sich noch enger.

Immo von Fallois, berliner-zeitung.de, 02.10.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)