Zitiert: ARD und ZDF gewinnen keine zusätzliche Reichweite mit ihren „Digitalangeboten“

Die aktuelle ARD/ZDF-Medienstudie zeigt eine Mediennutzung ohne Wachstum. Ältere bleiben beim linearen TV-Programm, Jüngere wechseln zu digitalen Plattformen und KI-Tools. Für Sender und Redaktionen verschärft sich damit ein zeitlicher Wettbewerb, den Reichweitenzahlen allein nicht mehr abbilden. […]

Für die öffentlich-rechtlichen Sender bedeutet das, um künftig ein jüngeres Publikum zu erreichen, sind eigene Plattform-Formate für die digitale Welt notwendig. Eine reine Zweitverwertung über sendereigene Mediatheken allein reicht nicht. In Zeiten, in denen Medienschaffende um ihren Job bangen, lässt sich das auch positiv lesen. Denn für das zusätzliche Digitalangebot braucht es mehr Journalist*innen, um alle relevanten Kanäle zielgruppenkonform zu bespielen. […]

Wenn ARD und ZDF in ihrer Pressemitteilung schlussfolgern, ihre Streaming-Angebote erreichten mehr als die Hälfte der Bevölkerung, so stimmt das nur bedingt. Denn die Reichweite allein sagt nichts darüber aus, wie viel Zeit Menschen dort tatsächlich verbringen und wie oft jemand wiederkehrt. Zudem haben beide Mediatheken im Vergleich zum Vorjahr bei der Nutzung eingebüßt […]

Von alltäglicher Nutzung kann bei den digitalen Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sender also keine Rede sein.

Allerdings stoßen auch die großen digitalen Plattformen allmählich an ihre Grenzen. Instagram und TikTok legten erstmals nicht mehr zu. Beim Video-Streaming wächst nur noch YouTube. Auch bei den digitalen Platzhirschen macht sich der angesprochene zeitliche Verdrängungswettbewerb inzwischen bemerkbar. […]

Aufgrund des zeitlichen Verdrängungswettbewerbs spielt Reichweite nur noch bedingt eine Rolle. Wegen des begrenzten Zeitbudgets wird ein fester Platz im Alltag des Publikums in den kommenden Jahren bedeutender.

Lars Lubienetzki, M(verdi), 28.09.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)