Zitiert: Wie Schlagzeilen Wahrnehmung verändern

Es ist allgemein so, dass sich derzeit weite Teile der Medien in einem Kampfmodus befinden, der jegliche Form von Dissens und Abweichung von der Nato-Sichtweise auf den Ukraine-Krieg erbittert bekämpft. Dabei ist besonders auffällig, dass die Überschrift und der Inhalt einiger Artikel nicht wirklich zusammenpassen.

Nehmen wir beispielsweise einen Artikel auf n-tv, der sich mit dem Drohnenvorfall in Leipzig beschäftigt. Hier lautet die Überschrift: „Vorfall nahe Flieger aus Ukraine: US-Berichte: Sprengstoff-Drohne in Leipzig kam wohl aus Russland“.

Der Rahmen ist hier sofort eindeutig und passt in das von der Kognitiven Kriegsführung der Nato angestrebte Narrativ, dass Russland eine gefährliche Bedrohung sei. Im Artikel selbst heißt es dagegen: „Der Russland- und Militär-Experte Matthias Uhl gab zu bedenken, dass der Anschlagsversuch unter ‚falscher Flagge‘ inszeniert sein könnte, um Russland zu diskreditieren.“ Hier wäre es leicht möglich gewesen, eine andere Überschrift zu wählen, beispielsweise: „War der Drohnenvorfall ein inszenierter Angriff unter falscher Flagge?“ […]

Es ist in der Propagandaforschung bekannt, dass ein großer Prozentanteil der Menschen nur die Überschrift liest, da viele Menschen aufgrund der bereits erwähnten Informationsflut nicht die Zeit haben, jeden Artikel in Gänze zu lesen.

Daher halte ich die beiden angeführten Titel für irreführend: Sie passen zwar ins Narrativ der „russischen Bedrohung“, jedoch wird der tatsächliche Inhalt der Artikel durch die Überschrift verzerrt oder sogar in sein Gegenteil verkehrt.

Jonas Tögel, berliner-zeitung.de, 16.08.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)