Immer häufiger verschwinden Dialoge im Fernsehen unter einem dichten Soundteppich. Die Zuschauer sind genervt. So jedenfalls verfehlt der ÖRR seinen Auftrag. […]
Die Schauspieler sind kaum zu verstehen. Nicht wenige deshalb, weil es Mode geworden ist, dass die Akteure und Aktricen nuscheln dürfen. Das soll wohl „authentisch“ rüberkommen. Drehbuchautoren raufen sich derweil die Haare ob der Unverständlichkeit ihrer schwer erarbeiteten Wortschöpfungen.
Dem „Volk aufs Maul schauen“ ist ja ehrenwert. Nur, was aus demselben kommt, sollte das Fernsehvölkchen aber denn doch noch verstehen können, so es der Handlung folgen will.
Ebenso ärgerlich, wenn nicht noch nerviger: Ständig ist man als Zuschauer mit den Lautstärketasten der Fernbedienung beschäftigt. Denn immer häufiger verschwinden Dialoge in TV‑Produktionen unter einem dichten Soundteppich aus elektronischen Geräuschen. Klare Sprache klingt anders. Um es an dieser Stelle klar anzusprechen: Das stellt den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage. […]
Mikrofonierung und Aufnahmequalität variieren je nach Drehort und Set‑Mikrofon. Originalstimmen werden oft nicht nachbearbeitet oder nachsynchronisiert, was zu uneinheitlicher Sprachqualität führt. Sounddesign und Mixing verschärfen das Problem: Musik, Effekte und Sprachanteile konkurrieren um dieselben Frequenzen. […]
Laut Rundfunkstaatsvertrag müssen Programme vielfältig, ausgewogen und der Allgemeinheit zugänglich sein. Verständliche Sprache ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung des Informations‑ und Bildungsauftrags des öffentlich‑rechtlichen Rundfunks.
Ulrich Werner Grimm, berliner-zeitung.de, 20.05.2026 (online)

