Wenn man all diese Erkenntnisse aus der Forschung sowie die fortlaufende Medienkritik und das verheerend geringe Medienvertrauen in die deutschsprachige Berichterstattung versteht und kombiniert, dann müsste man als verantwortungsvolle Führungskraft, als Chefredakteur oder Intendantin alles stehen und liegen lassen und sofort tätig werden. Allem voran steht, dass man die eigene Berichterstattung seriös wissenschaftlich untersuchen lässt. Die Ressourcen sollten eingeräumt werden, gerade mit dem Wissen aus der Forschung, dass das Medienvertrauen zur deutschen Nahostberichterstattung laut Mainzer Langzeitstudie bei alarmierend niedrigen 27 Prozent liegt, während das allgemeine Medienvertrauen 47 Prozent verzeichnet.
Vom themenspezifischen Medienmisstrauen bis zum allgemeinen Medienmisstrauen ist es laut der Reinemann-Studie nur noch ein kleiner Schritt. Und daraus könnte wiederum ein allgemeines Institutionenmisstrauen und in Folge ein allgemeines Demokratiemisstrauen erwachsen – dies gilt es zu beforschen und nicht medial herauszufordern. Journalismus und die freie Presse sind die Grundvoraussetzung für eine freie und öffentliche Debatte und für jede Demokratie. Durch „Journalistic Malpractice“, durch dauerhaftes und wissenschaftlich bewiesenes journalistisches Fehlverhalten, könnten sie neben ihrem eigenen Berufsstand auch die Demokratie als solche gefährden.
Nadia Zaboura, derstandard.de, 12.10.2026 (online)

