Zitiert: „unterbliebene“ oder „unterdrückte“ Nachrichten

Viele derer, die sich heute an den ID erinnern, sprechen von „unterdrückten Nachrichten“, obwohl die Initiatoren des ID nicht davon ausgingen, dass es so etwas wie eine Meinungsdiktatur gebe. Die Formulierung „unterbliebene Nachrichten“ kennzeichnete vielmehr das Verständnis von einer unerschöpflichen Informationsvielfalt, in der viele wichtige Nachrichten aus bestimmten sozialen Bereichen nicht durchdringen, weil es ihnen an einer gesellschaftlichen Lobby mangelt. Das immer wieder herbeizitierte Beispiel für die Bedeutung und Dringlichkeit des ID etwa war die Situation inhaftierter Menschen, die in den Vollzugsanstalten buchstäblich vergessen wurden.

Wie auch immer man es rekonstruieren und erzählen mag, ging es letztlich nicht darum, verborgene Wahrheiten ans Tageslicht zu hieven, sondern einen neuen Modus kreativer Wertschöpfung zu ermöglichen. Es gibt vieles und anderes zu berichten. „Die Klugen“, schreibt der Philosoph Martin Seel in diesem Sinne, „zeichnen sich dadurch aus, dass sie bereit sind, aus ihrer Erfahrung zu lernen – und dabei zu beherzigen, dass diese Art des Lernens kein Ende nimmt.“

Harry Nutt, Berliner Zeitung, 12.08.2020 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)