Zitiert: Politik darf sich nicht von Algorithmen jagen lassen

Algorithmen üben eine raumzeitliche Kontrolle über den Alltag aus. Sie lernen anhand historischer Daten, welche Produkte man morgen kauft, welchen Partner man datet und welche politische Partei man wählt. Sie sorgen damit für eine Entzeitlichung und Stauchung politischer Prozesse, weil das, was in der politischen Arena verhandelt werden sollte, in opaken Maschinenräumen bestimmt wird. Je stärker die Ergebnisse determiniert sind, desto mehr schrumpft der politische Raum. Es scheint, als habe die Repräsentationskrise der Demokratie ihre Ursache auch darin, dass man sich von virtuellen Assistenten, die einem sekündlich das eigene Denken bestätigen, besser repräsentiert fühlt als von Volksvertretern.

Gleichwohl: Es wäre fatal, die Zeitstrukturen politischer mit denen algorithmischer Systeme gegeneinander auszuspielen. Parlamente werden nie mit der Geschwindigkeit des Internets mithalten können. Sie können aber Tempolimits und Leitplanken setzen – sowohl regulativ als auch diskursiv, indem sie durch Debatten dafür sorgen, dass der Bürger nicht mehr der Bewegte seiner Daten, sondern seiner Überzeugung ist.

Adrian Lobe, sueddeutsche.de, 17.05.2019 (online)

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Spitzenvertreter von ARD und ZDF – darunter WDR-Intendant Tom Buhrow, der seit Januar 2020 ARD-Vorsitzender ist, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab und ZDF-Intendant Thomas Bellut wie auch Vorsitzende von Senderaufsichtsgremien wie der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber – erklären, die Rundfunkbeitragshöhe läge in der aktuellen Periode 2017 bis 2020 real bereits bei 18,35 Euro (inklusive LMA-Anteil). Doch dies trifft, wie schon angeführt, nicht zu. Berücksichtigt man die bereits genannten Faktoren, läge die reale Beitragshöhe niedriger als 18,35 Euro; geschätzt dürften es etwa 18,20 Euro sein – doch auch dieser Betrag spiegelt noch nicht die reale aktuelle Beitragshöhe wider.   Volker Nünning, Medienkorrespondenz, 18.02.2020 (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)