Zitiert: „Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD“

Mir haben diese Talkshows in den 70er- und 80er-Jahren besser gefallen, als sich Leute biographisch präsentieren konnten und es zu spannenden Lebensbegegnungen kam. Diese Namen wie Romy Schneider und Klaus Kinski sind ja älteren Zuschauern zumindest noch in Erinnerung mit legendären Auftritten.

Ich glaube, dass es sehr ungeeignet ist, komplexe politische Prozesse abzubilden. Wir wissen ja, also jemand, der sich etwas näher mit Politik beschäftigt, dass die eigentlichen Machtträger in der Politik nicht vor die Kamera gehen, also einflussreiche Staatssekretäre, einflussreiche Ministerialbeamte, da, wo Gesetze geschaffen werden, das sind Leute, die in der Regel kein Medienpersonal sind. Die Leute, die wir da sehen, sind billiges Medienpersonal, die natürlich die Chance nutzen, um eine stärkere Öffentlichkeit zu erreichen. Diese gewählten Politiker bekommen kein Honorar, das ergibt dann geringe Produktionskosten im Vergleich zu aufwändigen Recherchen. …. Und natürlich hat jemand, der immer als der Bösewicht auftritt und als solcher auch definiert wird und dann im Grunde eine Mehrheit der anderen Talkgäste gegen sich hat, im Grunde einen Vorteil, weil er sich in die Opferrolle begibt. Das ist der AfD in den letzten Monaten und Jahren sehr zugutegekommen.

Diese Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens waren unfreiwillig ein großer Werbeträger für diese rechtspopulistische Partei, deswegen gehen sie da auch gerne hin. Das ist ja ein bisschen paradox: Die AfD möchte ja am liebsten so eine Sendekette wie die ARD oder den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wenn nicht ganz abschaffen, aber zumindest doch sehr beschränken in seinen finanziellen und publizistischen Möglichkeiten, sie nutzen aber jede Möglichkeit dieses Systems aus, um sich zu präsentieren. Und darüber muss natürlich ein intelligentes Programmmanagement, die Intendanten, die Programmdirektoren, darüber müssen die sich auch mal Gedanken machen, welche Rolle sie da spielen faktisch. ….

Lutz Hachmeister, DLF, Medias Res, 04.07.2019 (online)

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Spitzenvertreter von ARD und ZDF – darunter WDR-Intendant Tom Buhrow, der seit Januar 2020 ARD-Vorsitzender ist, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab und ZDF-Intendant Thomas Bellut wie auch Vorsitzende von Senderaufsichtsgremien wie der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber – erklären, die Rundfunkbeitragshöhe läge in der aktuellen Periode 2017 bis 2020 real bereits bei 18,35 Euro (inklusive LMA-Anteil). Doch dies trifft, wie schon angeführt, nicht zu. Berücksichtigt man die bereits genannten Faktoren, läge die reale Beitragshöhe niedriger als 18,35 Euro; geschätzt dürften es etwa 18,20 Euro sein – doch auch dieser Betrag spiegelt noch nicht die reale aktuelle Beitragshöhe wider.   Volker Nünning, Medienkorrespondenz, 18.02.2020 (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)