Zitiert: KI-Firmen verbrennen keine antiken Bücher

Seit Wochen geistert eine irreführende Geschichte durchs Netz, KI-Firmen würden Buch-Antiquitäten schreddern. Dabei ist die richtige Geschichte (fast) genauso interessant. […]

Aber nein, es handelt sich nicht um „antike Bücher“, sondern in den meisten Fällen um Ladenhüter, die nicht einmal für 50 Cent verkauft werden können: „Gekauft wurden gezielt Non-Fiction-Titel ab 1970 mit ISBN-Nummern“, so hat es das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in einem Forum für Antiquare recherchiert. Antike Bücher haben keine ISBN-Nummern. Die Bücher, die von den KI-Firmen erworben wurden, sind eigentlich so gut wie unverkäuflich. Und zwar schlicht deshalb, weil sich zum Beispiel niemand für einen Reiseführer für Denver aus den späten Achtzigerjahren interessiert. Wichtig für die KI-Firmen ist nur, dass sie aus der Zeit vor 2022 stammen, also nicht von KI geschrieben wurden. […]

Denn eine Gerichtsentscheidung von Juni 2025 sorgte zwar letztlich dafür, dass Anthropic 1,5 Milliarden Dollar für den illegalen Bücherdownload zahlt. Aber das Gericht urteilte eben auch, dass das Training der KI-Modelle mit gedruckten Büchern nicht als Copyrightverletzung gilt, wenn die Firmen die Bücher erstens legal angeschafft haben und zweitens danach vernichten. Denn solch ein Vorgehen wandle die Bücher nur um in digitale Versionen und schaffe keine Kopie. Auch das ist ausnehmend kurios, würde aber die Wut in Richtung amerikanischer Justiz verschieben, die man irgendwie deutlich schlechter pauschal hassen kann als KI-Firmen.

Max Muth, sueddeutsche.de, 30.07.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)