Zitiert: Fünf Eskalationsstufen zur KI-Autorität

Wer die Technologie ernst nimmt, muss nicht nur über Effizienz nachdenken, sondern über Macht, Eigentum und Abhängigkeit. KI eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für Produktivität und Kreativität. Sie ist aber nicht gottgegeben, sondern eine von Unternehmen entwickelte Infrastruktur mit Profitinteressen. Dagegen wirkt die Aufregung darüber, ob ein Kolumnist einen Übergang mit Claude geglättet hat, beinahe putzig.

Nicht alle Spielarten der KI-Unterstützung sind dabei gleich zu bewerten. Es lassen sich mindestens fünf Eskalationsstufen unterscheiden: Formulieren, Strukturieren, Recherchieren, Prüfen, Entscheiden. Je höher die KI auf dieser Leiter steigt, desto mehr wandelt sie sich vom bloßen Werkzeug der Assistenz zum Akteur im journalistischen Erkenntnisprozess. […]

Deshalb ist das Prinzip „Human in Command“ alternativlos: Eine Redaktion ohne menschliche Letztentscheidung wäre nur eine AI-Content-Fabrik. Und genau aus diesem Grund sollte keine Diskussion um „KI-freie Zonen“ geführt werden, sondern darüber, wie KI eingesetzt werdne kann, ohne journalistische Verantwortung aus der Hand zu geben. Die entscheidende Grenze verläuft nicht zwischen Mensch und KI, sondern zwischen einem Journalismus, der sich diese mächtige Technologie sinnvoll zunutze macht und einem, der seine Verantwortung an sie delegiert.

Stephan Weichert epd medien, 19.09.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)