Wohin die Sehnsucht der öffentlich-rechtlichen Sender nach einer Erweiterung des Kulturbegriffs und einer Profanisierung des Programms führen kann, ist in anderen Teilen bereits zu beobachten. Etwa bei den digitalen Angeboten von ARD Klassik. Dort übernimmt der öffentlich-rechtliche Rundfunk zunehmend die Sprache der Influencer: kurze Clips, schnelle Pointen, Personality, Emotion und möglichst niedrige Zugangsschwellen.
Kurz gesagt: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk öffnet der „Opera-Bertisierung“ des Kulturjournalismus seine Türen! Influencer wie er werden schon jetzt zu Sendungen wie den Konzerten in Neuschwanstein geholt, und was der ARD-eigene „Influencer“ Konrad auf dem Insta-Kanal des Senders betreibt, ist ein ebenso kritikloses Geplapper – nur weniger glaubhaft als Opera Bert. Wahrscheinlich, weil Konrad sich gleichzeitig auch noch irgendwie als „Journalist“ versteht.
Die ARD übernimmt inzwischen sogar das Marketing für mittelmäßige, aber massenkompatible Netz-Pianisten wie Louis Philippson. Plötzlich ist nicht mehr die musikalische Qualität entscheidend, sondern die kommunikative Fähigkeit. Virtuosität bedeutet neuerdings, Musik massentauglich und algorithmusgerecht zu erzählen.
Axel Brüggemann, 06.10.2026 (online)

