Sachsen-Anhalt will neuen MDR nur, wenn man im Land keine Stellen verliert

Der MDR will sich trimedial aufstellen. Er will Strukturen schaffen, die sich an Inhalten orientieren und nicht an Verbreitungswegen. Dies ist schon lange bekannt. Im Dezember 2013 beschloss der MDR-Rundfunkrat den „MDR-Entwicklungsplan 2013“ – u.a. mit den Stimmen der Vertreter Sachsen-Anhalts.

Nun wird es langsam konkret. In diesem Jahr sollen Arbeitsgruppen entsprechende Vorschläge machen, wie der MDR „umzubauen“ ist, welche Redaktionen von Halle nach Leipzig und umgekehrt ziehen, wo zusätzliche Studios eingerichtet werden müssen.

Der Mitteldeutschen Zeitung, die wie der MDR-Hörfunk ihren Sitz in Halle hat, wurde ein Papier der „Projektgruppe 17“ zugespielt. Danach plane man beim MDR „mit dem Wegzug von 90 Arbeitsplätzen aus Halle und dem Zuzug von 45 nach Halle. Unterm Strich verliert die Saalestadt nach MZ-Informationen 45 feste Arbeitsplätze. Die Landespolitik pocht allerdings auf einen Ausgleich“.

Nun, es sind bisher zwei Landespolitiker, die auf Ausgleich pochten. In der Mitteldeutschen Zeitung heißt es dazu:

 

„Grundsätzlich finde ich das gut“, bewertete Sachsen-Anhalts für Medien zuständige Staatsminister Rainer Robra (CDU) die Pläne. Die Kultur- und Wissensredaktion in Halle zu bündeln, „passt auch gut zur Leopoldina“. Die Nationale Akademie der Wissenschaften hat ihren Sitz in Halle. Robra schränkt aber ein: „Am Ende muss Halle personalwirtschaftlich so dastehen wie jetzt.“ Ähnlich äußerte sich Stefan Gebhardt, Linken-Abgeordneter und Rundfunkrat. „Sachsen-Anhalt darf nicht der Verlierer dieses Prozesses sein“, sagte er. Laut Robra könne die Landespolitik ihre Forderungen auch durchsetzen. „Wir haben einen Hebel mit dem Staatsvertrag.“ Der ist die Rechtsgrundlage des MDR und müsste laut Robra für die Reform geändert werden.

 

Allerdings fragt hier der Journalist nicht weiter nach? Bei welchen Veränderungen müssten denn etwas am Staatsvertrag geändert werden? Bisher sind in diesem ja keine Arbeitsplatzzahlen festgeschrieben.

Im MDR-Staatsvertrag ist Halle einmal erwähnt. In § 2 (Regionale Gliederung) heißt es:

 

„Die gemeinsamen und überregionalen Aufgaben des MDR (Zentralbereich) werden vom Sitz der Anstalt in Leipzig aus erledigt. Ein möglichst in sich geschlossener Direktionsbereich nebst den dazu gehörenden Produktionskapazitäten wird in Halle angesiedelt mit dem Ziel, dort etwa ein Viertel des Zentralbereichs zu konzentrieren.“

 

Doch sind es nur die Arbeitsplätze, um die es geht? Oder sind diese nur Mittel zum Zweck? Werden diese nur vorgeschoben, da man nicht bereit ist, den Informationsbereich (MDR info) nach Leipzig ziehen zu lassen, auch wenn man dafür die Fernseh-Kultur bekommt?

 

Laut Mitteldeutscher Zeitung verspricht MDR-Sprecher Walter Kehr, dass der Standort Halle „im Gegenteil deutlich gestärkt“ werde. Zumindest die bisher beschlossenen Prioritäten sprechen dafür. So werden in Halle im Rahmen der inhaltlichen Neustrukturierung vier Schwerpunkte gesetzt. Man kann davon ausgehen, dass Sachsen-Anhalt insbesondere durch diese vierfache Schwerpunktsetzung (Kultur/Wissenschaft, Jugend, Kinderradio, Medienbildung) wesentlich mehr gewinnen kann als es abgeben wird. Jeder weiß, dass Fernsehen mehr Ressourcen als Radio benötigt. Nach einer ersten einfachen

Man kann dreierlei gewinnen: erstens eine Fernsehproduktion, zweitens journalistisch an Profil sowie drittens an Aufträgen für Produzenten und Dienstleister. Allerdings muss man die sich bietende Chance zur Profilierung nutzen und sollte sich nicht die nächste Zeit im Klein-Klein der Aufrechnung bisheriger Arbeitsplatzverteilung verlieren. Die Medienpolitik des Landes sollte die Neuprofilierung fördernd begleiten.

 

Übrigens: Der Programmbereich Kultur/Wissenschaft, von dem Teile nach Halle gehen sollen, hat einen Jahresetat von ca. 13,5 Mio. Euro. MDRinfo, das von Halle nach Leipzig zu MDRaktuell ziehen soll, hat einen Etat von ca. 9,5 Mio. Euro.

 

UPDATE (06.03.2015)

Wenn das MDR-Fernsehen nach Leipzig Halle kommt, dann

  • bekommt man nicht nur Personal, sondern auch
  • Technik nebst technischem Personal
  • Aufträge für weitere technische Dienstleister
  • Auftragsvolumen für Produzenten.

Zudem soll in Halle

  • das trimediale Jugendangebot angesiedelt sowie
  • die Kinderradio-App umgesetzt werden.

Fernsehen kann zudem wesentlich größere Regionaleffekte nach sich ziehen als Radio.

 

UPDATE (18.03.2015)

Der MDR will seine Wissenschafts-Redaktion in Halle ansiedeln. Leopoldina-Präsident Jörg Hacker : „Ich halte das für eine gute Idee. Es ist gut, die Kompetenz für Wissenschaft an einem Ort zu versammeln. Und Halle hat neben der Leopoldina und der Universität auch noch viel außeruniversitäre Forschung zu bieten. Halle ist in Deutschland ein Schwergewicht, was Wissenschaft angeht.“

Mitteldeutsche Zeitung, 16.03.2015

 

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