Sie muss als übergeordnete und richtungsweisende Disziplin agieren. Und sie muss reagieren – auf die markt- wie nichtmarktökonomischen Herausforderungen einer disintermediierten, Neuigkeiten von gesellschaftlichem Interesse vermittelnden, sozialmedial gestalteten Kommunikation. Sie muss dies mit sinnreichen und zukunftsfähigen Theoriebausteinen tun. Die algorithmisierte Gewinnmaximierung in der Netzwirtschaft hat ins Persönliche reichende Auswirkungen auf das Verhalten; zudem verändert sich mit ihr das Zusammenleben in der Gesellschaft. Was ist das anderes als Politökonomie? Das Agieren und die technologischen Möglichkeiten der Akteure verändern den Blick des Menschen auf die Welt. Es ist genau dieses, das die Disziplinen vereinen muss – Psychologie, Kommunikations-, Medienwissenschaft, Politik, Geschichte und eben die Ökonomie, die auf Medienangebote bezogen in einer besonderen Tradition und damit in einer besonderen Pflicht steht. Sie, die Medienökonomie, wird sich der Rolle von Künstlicher Intelligenz für die Medienmärkte der Zukunft annehmen müssen – aus theoretischer (und gerne auch interpretierender) Perspektive. Sie kann dem Diskurs einen Rahmen geben. Übrigens: Das konnte man in Deutschland einmal besonders gut.
Harald Rau, Medienwirtschaft 4/2025 (online)

