Zitiert: Vom Kinderfernsehen zum Profitfernsehen III

Die Sender wollen heute allerdings die alten Sachen nicht mehr zeigen, weil sie angeblich nicht mehr modern genug sind. Ich halte das für Quatsch. Man sieht das an den DVDs: Die Eltern kaufen sie aus nostalgischen Gründen, die Kinder lieben die Geschichten. Das zeigt doch, dass meine Haltung nicht ganz falsch gewesen sein kann. Ich stand, wenn man so will, für eine Form von medialer Pädagogik, die in der Poesie aufgehoben war. Ich hatte mir ohnehin von Anfang an vorgenommen, mir nie kurze Hosen anzuziehen und kindertümlich zu agieren. Ich konnte die Kollegen nicht ausstehen, die mit Kindern Händchen zum Ringelreihen halten wollten. Deshalb war ich auch nicht für das Kleinkinderprogramm geeignet. Meine Geschichten sollten in Ansprache, inhaltlichem Interesse und handwerklicher Ausführung ein Familienprogramm sein, mit dem Akzent bei den Kindern und ihrer Begegnung mit der Welt der Erwachsenen. Meine Helden waren immer liebenswert, aber nie kindisch, denn ich war der Meinung und bin es auch immer noch, dass Kinder das gleiche Recht auf anspruchsvolle Unterhaltung haben wie Erwachsene. Das ZDF hat dann, wie ich das damals empfand, als Ausgleich für meine angeblich unpädagogische Arbeit eine zweite Redaktion aufgebaut, die Vorschulreihen wie „Rappelkiste“ produziert hat. Die haben etwas getan, was ich nie wollte: Sie haben sich dem Zeitgeist unterworfen. Wenn es um menschliche Grundhaltungen geht, habe ich den Zeitgeist schon immer als fragwürdiges Beurteilungsinstrument betrachtet. I

 

(Josef Göhlen, Medienkorrespondenz 25/2016, S.6 online)

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