Zitiert: Vom Kinderfernsehen zum Profitfernsehen II

 

“… gewiss ist, dass die Kindersender unglaublich viel Sendezeit füllen müssen, deshalb kaufen sie alles, was irgendwie zappelt. Ich erkenne leider keine Konzepte mehr. Möglicherweise hängt das mit einer veränderten Programmfindungsstruktur zusammen. Zu unserer Zeit hatten die Redaktionen ein Mitspracherecht bei der Programmplanung. Was ich beim ZDF produziert habe, durfte ich auch zumindest in Vorschlagsform in den Sendeplan einbringen. Heute, das ist mein Eindruck, teilt die Planungsabteilung den Redaktionen mit, was sie braucht und wo sie es braucht. Die Redakteure führen diesen Auftrag dann aus. Die Leute in der Planung kennen aber natürlich nur, was ihnen schon mal begegnet ist. Innovativ zu denken, das ist nicht ihre Aufgabe. Deshalb wird die Phantasie nicht gefordert. Weil man in der Planung auf die Quote fixiert ist, wirkt das Fiktionsprogramm von ARD und ZDF insgesamt eintönig und mutlos, wie die vielen Krimis belegen. Ideen für Alternativen gäbe es genug, sie werden aber meist mit dem Hinweis abgeblockt, es sei kein Geld da. Das Argument lasse ich jedoch nicht gelten – es war noch nie genug Geld da. Auch hier ist Phantasie gefragt; angesichts der medialen Globalisierung müssten sich doch andere Wege finden lassen. Ich habe aber den Eindruck, dass die Redaktionen ängstlich geworden sind und ungern Verantwortung übernehmen. Sie denken viel zu sehr in Vermarktungsparametern. Wenn man heute eine Serie vorschlägt, wird man erst mal gefragt, ob der Stoff Markencharakter hat und schon mal irgendwo in einem anderen Medium erfolgreich war. Es fehlen bei ARD und ZDF das Selbstvertrauen und der Mut, selbst eine Marke zu schaffen.”

 

(Josef Göhlen, Medienkorrespondenz 25/2016, S.7 online)

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Spitzenvertreter von ARD und ZDF – darunter WDR-Intendant Tom Buhrow, der seit Januar 2020 ARD-Vorsitzender ist, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab und ZDF-Intendant Thomas Bellut wie auch Vorsitzende von Senderaufsichtsgremien wie der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber – erklären, die Rundfunkbeitragshöhe läge in der aktuellen Periode 2017 bis 2020 real bereits bei 18,35 Euro (inklusive LMA-Anteil). Doch dies trifft, wie schon angeführt, nicht zu. Berücksichtigt man die bereits genannten Faktoren, läge die reale Beitragshöhe niedriger als 18,35 Euro; geschätzt dürften es etwa 18,20 Euro sein – doch auch dieser Betrag spiegelt noch nicht die reale aktuelle Beitragshöhe wider.   Volker Nünning, Medienkorrespondenz, 18.02.2020 (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)