Verlage im Widerspruch

„Das Geschäftsmodell der Verlage besteht darin, Anzeigen zu verkaufen. Weil es im Internet allerdings unendlich viel Platz gibt, der mit Anzeigen gepflastert werden könnte, fallen die Preise ins Bodenlose. Damit sich diese Anzeigen trotzdem rechnen, produzieren die Medienhäuser so viele Inhalte wie möglich, um so viele Anzeigen wie möglich schalten zu können, wodurch sie aber nur noch mehr Platz schaffen und so wiederum zum Preisverfall beitragen“, schreibt Felix Stephan auf Zeitonline. Doch auch wenn es logisch klingt, ist die Realität anders. Auch schon zu Seiten, als nicht viele Anzeigen im Netz standen, waren die Preise gering. Es war eben fraglich, wenn man damit erreicht. Allerdings ändert sich dies dann, wenn man über Nutzerdaten verfügt und diese gezielt nutzt.

„Facebook verfügt über ausreichend spezialisiertes Wissen über seine Nutzer, um Anzeigen so zielgerichtet platzieren zu können, dass sie besonders effektiv sind. Und für dieses Wissen wollen Anzeigenkunden unbedingt Geld ausgeben, weshalb sich diese personalisierte Werbung bedeutend teurer verkaufen lässt. Wenn die Verlage also ihr Geschäftsmodell den Bedingungen des digitalen Zeitalters anpassen möchten, müssten sie diese Daten auch selbst erheben. Sie müssten wie Facebook werden. Um dann wieder Redakteure bezahlen zu können, die schreiben, dass es undemokratisch, illegal und entwürdigend ist, seine Nutzer derart auszuspähen.“ (Felix Stephan, ZeitOnline, 20.05.2015, weiterlesen)

Doch läuft es automatisch auf diesen Widerspruch hinaus? Kann man nicht den Nutzerinnen und Nutzern anbieten darüber mitzubestimmen, welche Daten man von ihnen erfasst? Warum soll es nicht möglich sein, dass deren Daten auch wieder gelöscht werden, wenn die Nutzerinnen und Nutzer dies wollen?

Fest steht doch, dass Journalismus schon immer querfinanziert wurde. Früher wurden die Werbeeinahmen dazu genutzt. Heute haben sich die Verlage wesentlich breiter aufgestellt. Viele erzielen immer noch zweistellige Renditen. Allerdings sind viele nicht mehr bereit, überdurchschnittlich in Journalismus zu investieren und auf einen Teil des Gewinns zu verzichten.

Kommentar verfassen

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Spitzenvertreter von ARD und ZDF – darunter WDR-Intendant Tom Buhrow, der seit Januar 2020 ARD-Vorsitzender ist, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab und ZDF-Intendant Thomas Bellut wie auch Vorsitzende von Senderaufsichtsgremien wie der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber – erklären, die Rundfunkbeitragshöhe läge in der aktuellen Periode 2017 bis 2020 real bereits bei 18,35 Euro (inklusive LMA-Anteil). Doch dies trifft, wie schon angeführt, nicht zu. Berücksichtigt man die bereits genannten Faktoren, läge die reale Beitragshöhe niedriger als 18,35 Euro; geschätzt dürften es etwa 18,20 Euro sein – doch auch dieser Betrag spiegelt noch nicht die reale aktuelle Beitragshöhe wider.   Volker Nünning, Medienkorrespondenz, 18.02.2020 (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)