Wenn man als Autor bei einem Verlag ein Buch nicht unterbrachte, fand man kaum einen anderen. Ein Gespräch über einen Bereich der DDR-Geschichte und die Zensur. […]
Doch, es gehörte zur Planwirtschaft, die auf Effizienz setzte und interne Konkurrenz ausschließen wollte. So konnte jede Firma das gesamte Vertriebsgebiet allein beliefern. Deshalb waren die Verlage ja auch hochrentabel und ihre Bücher mussten nicht subventioniert werden. Die durchschnittlichen Startauflagen lagen bei mehr als 20.000 Stück, während man in der Bundesrepublik eher mit 3000 oder 4000 agierte, denn es waren ja viele Verlage, die sich den Markt teilen mussten. […]
Jedes Buch brauchte eine Druckgenehmigung vom Ministerium für Kultur. Damit verbunden war die Zuweisung von Papierkontingenten. Beim Verlag für die Frau wurden schon mal 100.000 Stück in einer Auflage gedruckt, denn „Wir kochen gut“ war nahezu das einzige Kochbuch, das es im Lande gab. In der Belletristik wurde auch politisch entschieden, welcher Autor oder welche Autorin eine große Auflage bekommt und wer eine kleine. Wenn es viele Leserbriefe mit Beschwerden gab, hat man gelegentlich eine größere Nachauflage genehmigt. […]
Sie machten gute Gewinne, sie konnten sich ein Personal leisten, das im Schnitt fünfmal so groß war wie bei westdeutschen Verlagen. Sie hatten alle ein sehr großes Lektorat, Korrektorat, Übersetzungsbetreuung, ein großes grafisch-künstlerisches Büro. Aber eine kleine Vertriebsabteilung und nur eine winzige Werbeabteilung, beides brauchte man nicht. […]
Ich war selbst überrascht, als ich am Ende meiner Recherchen feststellen musste, dass zu DDR-Zeiten doppelt so viel Verlage verschwunden sind wie in der Zeit danach.
Christoph Links, berliner-zeitung.de, 11.03.2026 (online)

