Die „Erschöpften“ fühlen sich körperlich und/oder psychisch ausgebrannt, sie verlassen den Beruf mal aus eigenem Antrieb, mal unfreiwillig beispielsweise aufgrund eines Zusammenbruchs. Bei den „Verantwortungsbewussten“ führt die wahrgenommene Unvereinbarkeit des journalistischen Berufs mit der eigenen familiären Situation zum Ausstieg. Die „Resignierten“ schließlich sind von Prekarität betroffen. Sie verlassen den Journalismus, um Armut, Diskriminierung oder um einen Verlust der Stelle oder von Aufträgen zu vermeiden.
Ricks Hinweisen auf die bedenkliche Schieflage zwischen dem demokratischen Auftrag des Journalismus und den dafür bereitgestellten Ressourcen ist auch mit Blick auf die Studienergebnisse von „Worlds of Journalism“ und „Burning (out) for Journalism“ nur beizupflichten. Sie warnt davor, dass „die Ausstiege von Journalist:innen dazu führen können, dass der Journalismus seinen gesellschaftlichen Auftrag nicht mehr erfüllen kann“.
Der gesellschaftlich relevante und immer noch hoch intrinsisch motivierende Beruf befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Zahlreiche ehemals motivierte Journalisten fühlen sich ausgelaugt oder kehren dem Beruf den Rücken. Und das in einer Situation, in der vielfältiger Qualitätsjournalismus als Bollwerk gegen die Desinformationsflut und Unterminierungsversuche der öffentlichen Kommunikation wichtiger denn je geworden ist. Die Erkenntnisse zum Zustand des Journalismus sollten daher nicht nur in Fachkreisen verbleiben, sondern eine breite gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit erlangen und Handlungsdruck entfalten – im Interesse einer gut informierten Gesellschaft.
Anna von Garmissen, epd medien, 10.01.2026 (online)

