Zitiert: Wie viel Kritik braucht die Politik durch Journalismus?

Es muss sein, auch wenn es wehtut. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner findet, die Medien seien zu sehr auf Skandalisierung fixiert. In Zeiten, in denen die Populisten erstarken, schwäche das die politische Mitte. Doch zugleich ist kritischer Journalismus wichtiger denn je. […]

In diesem Sinne beklagen Koalitionäre ständig, dass die Stimmung im Land schlechter sei als die Lage – und erwarten, dass die Medien zur Aufhellung beitragen. […]

Es mag stimmen, dass Journalisten viele Geschichten der Art „Streit über …“, „Kritik an …“, „Konflikt spaltet …“ produzieren. Nicht alle davon sind unentbehrlich, aber Streit und Kritik bilden eben auch einen Diskussionsstand ab oder beschreiben den Zustand einer Regierung. […]

Folglich gibt es eine bewährte Arbeitsteilung: Regierende heben gerne und zuverlässig hervor, was funktioniert. Journalisten beschäftigen sich hingegen intensiver mit dem, was nicht funktioniert. Oder soll die Presse die zunächst gescheiterte Kanzlerwahl von Merz mal einfach ignorieren, um das Land nicht weiter zu verunsichern? Oder das Siechtum der SPD beschönigen, um die Sozialdemokraten wieder aufzurichten? Diese Beispiele zeigen schon, dass die düstere Berichterstattung weniger mit der Bösartigkeit der Berichterstatter zu tun hat als mit dem, was es zu berichten gibt. […]

Sieht man von diesem Verzicht auf unnötige Häme mal ab, ist es dem Journalismus verwehrt, nett zu den Regierenden zu sein. Medien sind nicht für nationales Wellness zuständig, sie sind nicht die Hilfsorgane des Bundespresseamts. Der schönste Sinnspruch dazu ist noch immer das Motto der französischen Satirezeitung Le Canard enchaîné: „Die Pressefreiheit nutzt sich nur ab, wenn man sie nicht benutzt.“

Peter Richter, sueddeutsche.de, 28.05.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)