Youtuber deklassieren mit ihren Debütfilmen gerade die teuersten Produktionen Hollywoods. Jetzt kaufen die Studios dort nach, wo die Ideen herkommen: bei den kollektiv geschriebenen Mythen des Internets.
Die zwei großen Kino-Überraschungen des bisherigen Jahres kommen von zwei jungen Männern, die noch vor Kurzem Youtube-Videos in ihren Zimmern produzierten. Kane Parsons, gerade 21 geworden, drehte für das Independent-Studio A24 den Horrorfilm „Backrooms“, der bei Kosten von rund zehn Millionen Dollar weltweit rund 350 Millionen einspielte. Curry Barker, 26, bislang bekannt für Sketch-Comedy auf seinem Youtube-Kanal „that’s a bad idea“, kommt mit „Obsession“ sogar auf 400 Millionen Dollar an den Kinokassen, bei einem Budget von nur 750.000 Dollar.
Kein Kinofilm mit weniger als einer Million Produktionskosten hat je mehr Geld eingenommen und das keine zwei Monate nach dem US-Start.. […]
Ob die Communitys, die diese fiktiven Welten im Internet entwickelt haben und konstant weiterentwickeln, das Geschäft mittragen, ist allerdings fraglich. Denn die kollektiven Universen beruhen auf einem Ethos, das der Verwertungslogik der Studios entgegensteht. Sie sind zudem eine Form von Urheberschaft, für die Hollywood keinen Ansprechpartner kennt. […]
Ein exklusives Copyright lässt sich darauf nicht erheben, auch nicht durch eine Filmproduktion. Streng ausgelegt, dürfte also jeder einen kommenden SCP-Kinofilm legal kopieren und weiterverbreiten.
Diese Bedingungen sind kein Versehen, sondern der Kern des Projekts.
Kira Kramer, faz.net, 10.07.2026 (online)

