Ein Team aus Experten und Bots filterte jahrelang Informationen über den Sexualstraftäter. Neue Dokumente zeigen jetzt die Details der Operation. […]
Mit Hilfe von Experten für Wahrnehmungspsychologie und technischer Manipulation versuchte der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein jahrelang, seine kriminelle Vergangenheit aus dem kollektiven Gedächtnis des Internets zu löschen. Dabei nutzte er Effekte, die Forscher heute als Gefahr für die Demokratie einstufen.
Es war eine Operation der totalen Informationskontrolle. Wer zwischen 2010 und 2018 nach dem Namen Jeffrey Epstein suchte, stieß oft zuerst auf einen großzügigen Mäzen, einen Freund der Wissenschaft und einen Philanthropen. Die Wahrheit über seine Verurteilung als Sexualstraftäter im Jahr 2008 war auf Seite zwei oder drei der Google-Ergebnisse verbannt – im digitalen Zeitalter ist das gleichbedeutend mit dem Vergessen. […]
Eine zentrale Figur war Al Seckel, ein Experte für menschliche Informationsverarbeitung und Partner von Isabel Maxwell, der Schwester von Ghislaine Maxwell. Seckel verstand das Internet nicht als Archiv, sondern als manipulierbares System. […]
Jeffrey Epsteins digitale Nebelmaschine funktionierte fast ein Jahrzehnt lang. Er kaufte sich Legitimität durch Spenden an Elite-Universitäten und die strategische Platzierung positiver Nachrichten.
Oliver Weinlein, berliner-zeitung.de, 11.02.2026 (online)

