In vielen Wissenschaftsredaktionen werden Recherche und Kompetenz abgebaut. Das hat mitunter ernste gesellschaftliche Konsequenzen. […] Aber seit einiger Zeit ist das ganze Projekt Wissenschaftsjournalismus in die Krise geraten.
Das hat mehrere Ursachen. Eine ist sicherlich im Abbau des Wissenschaftsjournalismus bei den öffentlich-rechtlichen Medien zu suchen. Etwa wurde im Jahr 2024 die tägliche Wissenschaftssendung auf Bayern 2 ersatzlos gestrichen.
Und für die einst hochgeschätzte Wissenschaftsberichterstattung im Deutschlandfunk wird es ernst, wenn erst einmal die seit zwei Jahren in der Entwicklung befindliche Programmreform umgesetzt wird. Denn die bisherigen Wissenschafts- und Techniksendungen müssen dann den mehr oder weniger durchgängig moderierten Programmstrecken weichen. Das journalistische Modell des Fachredakteurs am Mikrofon hat ausgedient. Ein weiterer Rückschlag für den Wissenschaftsjournalismus.
ARD-weit wird die Wissenschaftsberichterstattung derzeit in einem sogenannten Kompetenzcenter gebündelt. Westdeutscher Rundfunk und Südwestrundfunk streiten da um die ARD-interne Vorherrschaft. Die eigentlichen Inhalte bleiben dabei auf der Strecke. […]
Es gibt also weniger Sendeplätze und weniger Geld für qualifizierte Wissenschaftsberichterstattung. Und es gibt die Tendenz, die bisherigen Formen des Wissenschaftsjournalismus durch Laber-Podcasts zu ersetzen. Die werden quick and dirty produziert. Der Redaktion bleibt viel anstrengende Arbeit erspart. Beteiligte Produktionsgesellschaften freuen sich über maximale Profite.
Peter Welchering, Berliner Zeitung, 02.02.2026 (online)

