Weibliche Sexualität hat sich in den vergangenen Jahren vielleicht zum erfolgversprechendsten Gut des Kapitalismus entwickelt. Das zeigt schon der Romance-Hype im Buchbereich, bei dem es auch immer wieder recht heiß hergeht. Dass zwischen den beiden Medienformen viele Parallelen bestehen, ist kein Zufall. Das Material für ihre Produktionen bekommt die Firma hinter ReelShort über eine andere eigene Plattform: Dort können Autorinnen und Autoren Geschichten schreiben und hochladen – und andere diese dann lesen und, na klar, über Echtgeld weitere Kapitel freischalten. Was auf dieser Plattform gut funktioniert, wird anschließend als Micro-Drama adaptiert. Der perfekte Contentsturm.
Dass diese Art von Drehbuch-Akquise für klischeehafte Plots ohne Tiefgang und floskelige Dialoge sorgt, dass dazu schlechte Schauspieler, uninspiriertes Sounddesign und eine gehörige Portion KI in der Nachbearbeitung kommen, scheint nicht zu stören. Der Drang, unterhalten zu werden, ist größer als der Drang, anspruchsvoll unterhalten zu werden.

