Sind lineare TV-Marken im Streaming Ballast oder Superkraft? Wenn RTL, ZDF & Co. es richtig anstellen, haben sie damit gegenüber internationalen Anbietern einen großen Vorsprung. Vox quasi in RTL zu integrieren, wäre dann aber genau der falsche Weg, glaubt Peer Schader. […]
Denn alldem ist eine Entscheidung vorgeschaltet, die zahlreiche TV-Sender noch gar nicht endgültig getroffen zu haben scheinen: für welches Modell sie sich in ihrer neuen Rolle als Streamer entscheiden wollen. Das von Netflix, in dem alle Inhalte unter einer globalen Dachmarke subsumiert sind. Oder das von Anbietern wie Disney+, die unterhalb der Hauptmarke verschiedene Markenwelten pflegen. […]
ARD, RTL & Co. stehen vor derselben Entscheidung: alles unter einer Dachmarke vereinheitlichen – oder eigene Markenwelten aus- und aufbauen? Bislang machen die meisten irgendwas dazwischen. Und damit nichts so richtig. […]
Das könnte eine große Chance sein: Während Netflix vornehmlich in Genres denkt (Thriller, RomCom, Crime) und Disney in IPs (Marvel, Star Wars), sollten sich deutsche Sender stattdessen auf Haltungen fokussieren. Mit Marken, die genreübergreifend funktionieren, weil sie lokal verankert, über Jahrzehnte aufgebaut worden und nicht so leicht kopierbar sind. Mit Unter-Teams, die im Sinne dieser Marken konsequent ihr eigenes Süppchen kochen dürfen, anstatt in einem großen Topf herumzurühren.
Dafür müssten die Sender das tun, was sie sich gerade auf die Fahnen schreiben – langfristig denken.
Peer Schrader, dwdl.de, 17.01.2026 (online)

