Zitiert: Warum globale Tech-Konzerne dem deutschen Staat enteilen

Während Algorithmen und Tech-Konzerne die digitale Welt steuern, kämpfen deutsche Behörden mit veralteter IT und langsamen Prozessen. […] Dass politische Systeme langsamer reagieren als digitale Netzwerke, ist zunächst kein Fehler, sondern eine bewusste Eigenschaft demokratischer Ordnungen.

Entscheidungsprozesse beruhen auf Konsultation, Kontrolle und Legitimation. Gesetze werden diskutiert, Interessen abgewogen und überprüft. Parlamente, Gerichte und Verwaltungen sollen verhindern, dass Macht unkontrolliert ausgeübt wird.

Was in stabilen Phasen vorteilhaft ist, wird in Krisenlagen problematisch. […]

Naheliegend wäre eine Beschleunigung staatlicher Entscheidungsprozesse. Es entsteht ein Dilemma. Demokratien können nicht die Logik sozialer Medien übernehmen.

Beschlüsse benötigen Legitimation, Transparenz und rechtliche Kontrolle. Eine Politik, die auf Tempo setzt, riskiert Fehlurteile und Machtkonzentration.

Die Schwierigkeit besteht darin, demokratische Vorgehensweisen an neue Rahmenbedingungen anzupassen. [..]

Ein Staat, der Krisen hinterherläuft, verliert Vertrauen und Gestaltungskraft. Ein Staat, der digitale Dynamiken versteht, frühzeitig erkennt und flexibel reagiert, kann im 21. Jahrhundert Steuerungsfähigkeit bewahren.

Schnelligkeit ist in der Politik nicht allentscheidend. Ausschlaggebend ist, ob es gelingt, Geschwindigkeit mit demokratischer Legitimation zu verbinden. Hierin könnte eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte liegen.

Julia Engels, Telepolis, 18.06.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)