Zitiert: Warum eine Verpixelung angemessener gewesen wäre

Wim Wenders hat zugesagt, die Nacktszene mit Nastassja Kinski aus dem Film „Falsche Bewegung“ herauszuschneiden. Das ist ein Mittel des analogen Zeitalters. Auch eine digitale Bearbeitung wäre möglich gewesen. […]

Dass „Falsche Bewegung“ nach der Überarbeitung „ein völlig anderer Film“ sein wird, wie der Berliner Philosoph Olaf Müller in einem Beitrag für die F.A.Z. schrieb, hat mit einem Verständnis von Film zu tun, das aus dem analogen Zeitalter kommt. Damals zirkulierten Filme als Streifen, die auf Rollen gespult wurden und durch Projektoren liefen. Jede Kopie bekam auf diese Weise ein individuelles Leben. Oft kam es vor, dass Vorführer einzelne Kader (Einzelbilder aus einer Rolle) als Souvenir herausschnitten und danach den Rest wieder zusammenklebten. Genauso oft aber kam es vor, dass ganze Szenen fehlten oder Teile davon, aus den unterschiedlichsten Gründen. […]

Wenders nimmt nun genau genommen drei Einstellungen aus seinem Film, die in einer Bewegung über zwei Minuten in der ursprünglichen Erzählung für eine Spannung zwischen erotischer Verführung und sexuellem Vollzug und dabei für die Figur der Mignon zwischen Kindlichkeit und Erwachsenwerden stehen. […]

Eine plausible Möglichkeit hätte also darin bestanden, dass Wenders die Nacktszenen mit Nastassja Kinski nachbearbeitet hätte, um sie mit einem digitalen Schutz zu versehen. Ihre Brüste, ihr Mädchenkörper, ihre Nacktheit wären überschrieben worden. Der Film hätte eine Läsion enthalten, aus der auch hervorgegangen wäre, dass an seiner ursprünglichen Gestalt etwas als korrekturbedürftig erkannt wurde. […]

Erkennbar bliebe an dem Fall insgesamt auch, dass für sexuelle Machtverhältnisse und für das Spiel von Verführung und Verantwortung in der Inszenierung von Wenders durchaus schon ein Bewusstsein vorhanden war. Er arbeitete ja sehr präzise mit Licht und Schatten, mit der Trennung des Körpers mit seinen Geschlechtsmerkmalen vom Gesicht, das für die Individualität steht und die Verletzlichkeit persönlich werden lässt. Er hatte nur kein Gespür dafür, dass Nastassja Kinski kein erotisches Gegenüber, sondern ein schutzbedürftiges Kind war. Alle diese Ambivalenzen fallen weg, wenn die gesamte Szene wegfällt. […]

Film ist ein Zeitspeicher. Der Missbrauch im Jahr 1974 (als Drehperiode wird der November angegeben) ist nicht ungeschehen zu machen. Aber er lässt sich womöglich symbolisch „therapieren“, und in diesem Fall könnte das Medium selbst zu einem Träger dieses Heilungsprozesses werden. Man müsste nur präziser schneiden als mit einer Schere, die nur „ganze“ Szenen kennt.

Bert Rebhandl, faz.net, 15.08.2026 (online)

Onlinefilm.org

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)