Eine Institution, deren Kernauftrag es ist, gesellschaftliche Konflikte darzustellen, auszuhalten und zu moderieren, wird immer häufiger selbst zum Konflikt. […]
Der Befund eines Kommentators trifft den Kern: Will der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht ins Abseits geraten, muss er lernen, zwischen berechtigter Kritik und kalkulierter Provokation zu unterscheiden, und seine Entscheidungen offensiv erklären, statt sie hinter wolkigen Formulierungen zu verstecken. […]
Denn die eigentliche Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist nicht Harmonie. Sie ist die Fähigkeit, Konflikte auszuhalten, gegensätzliche Milieus sichtbar zu machen und Fehler transparent zu korrigieren. Genau daran hakt es. […]
Wer den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigen will – und es gibt gute Gründe dafür –, muss deshalb aufhören, jede Kritik als Angriff auf die Institution zu deuten. Reformen bei Struktur, Transparenz und Fehlerkultur sind keine Bedrohung, sondern die Bedingung des Fortbestands.
Harald Neuber, berliner-zeitung.de, 21.07.2026 (online)

