Global gesehen ist ein neues Hoch beim Misstrauen in klassische Medien erreicht: Laut Reuters Institute sank das Nachrichtenvertrauen 2026 weltweit auf 37 Prozent bei den Befragten. Das ist der tiefste Stand seit Beginn des Trackings im Jahr 2015.In Deutschland steht das Fundament hingegen vergleichsweise stabil: Hier vertrauen aktuell 46 Prozent der Menschen den News allgemein und 58 Prozent jenen Nachrichtenquellen, die sie selbst bevorzugt nutzen. […]
Die Kommunikationswissenschaft erklärt diese Differenz mit generellem Systemvertrauen auf der einen und spezifischem Markenvertrauen auf der anderen Seite: Bei allgemeinen Fragen nach „den Medien“ folgt oft ein pauschales Urteil über die politische Gesamtlage oder die Weltlage. Sobald es jedoch um die eigene, konkrete Mediennutzung im Alltag geht, greifen dieselben Personen nach wie vor auf verlässliche Marken wie die „Tagesschau“ im Ersten zurück.
Dabei entzieht nicht die Gesellschaft an sich den Medien ihr Vertrauen. Im Großen und Ganzen behalten Zeitungen, Fernsehen oder Radio ihre Funktion als verlässliche Informationsquellen. Obwohl klassische Medien in den sozialen Netzwerken präsent sind, um jüngere Zielgruppen zu erreichen, verlieren sie die Kontrolle darüber, wer ihre Beiträge in den Feeds überhaupt noch sieht. Somit dominieren die Algorithmen und emotionale „Mensch-zu-Mensch-Inhalte“ vor allem die Meinungsbildung der nachfolgenden Generationen.
Marlene Röhner, blog.medientage.de, 07.09.2026 (online)

