Und da wollte diese Anstalt doch kein Schwarzfunk mehr sein, der im Geruch einer maßgeblich von der CDU getragenen Herkunft aus den frühen 1990er-Jahren steht. Nun das: Zu Wochenanfang bleibt beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in Sachsen-Anhalt der Bildschirm kurz schwarz. […]
Wer so deutlich wird, hat den Hochstand der Überparteilichkeit verlassen, um in die Niederungen des Wahlkampfs hinab- oder abzusteigen? Ein Sender wird um seiner selbst willen zur Partei und betreibt Wahlbeeinflussung nach der Devise, gegen die Absicht der AfD, den MDR-Staatsvertrag zu kündigen, ist manches Mittel recht. Muss man aber so aus der Rolle fallen, um in der angestammten Rolle zu bleiben?
Vor allem, ist die Lage so dramatisch, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen in Mitteldeutschland der Endlichkeit seines Daseins ins schreckgeweitete Auge blickt? […]
Es gehört allerdings zu den Paradoxien im Verhältnis zwischen Sender und Land, dass der MDR Sachsen-Anhalt seine prekäre Finanzlage bisher nicht der AfD, sondern einer CDU-geführten Landesregierung verdankt, die sich seit 2020 (!) gegen jedes zugegeben unpopuläre Beitragsplus sperrt und in der Person von Ex-Ministerpräsident Reiner Haseloff ein gestörtes Verhältnis zum MDR gepflegt hat. Wer der AfD Populismus ankreidet, sollte ein Gebaren nicht vergessen, dem Macht- vor Sendererhalt geht.
Lutz Herden, Freitag, 25.08.2026 (online)

