Die Medienwissenschaftlerin Mandy Tröger gilt als Expertin für die Umgestaltung der ostdeutschen Medienlandschaft nach dem Mauerfall. Sie stammt aus Ostdeutschland und lehrt nun an der Universität Tübingen (Baden-Württemberg). In der bundesweiten gesellschaftlichen Debatte, so Trögers Befund, sei lange tatsächlich eher mit einem westdeutschen Blick über ostdeutsche Besonderheiten berichtet worden. Der Leipziger Medienwissenschaftler Lutz Mükke spricht gar von einem Duktus der Auslandsberichterstattung. […]
Jüngere Studien, wie die von der Produktionsfirma Hoferichter & Jacobs im Auftrag des MDR belegen, dass Ostdeutschland im Blick der überregionalen Medien als mediale Problemzone wahrgenommen werde. Und das auch nur saisonal, meist im Umfeld von Wahlen oder Jubiläen. Ausnahmen wie das Chemnitzer Kulturhauptstadt-Jahr bestätigten eher die Regel. „Durch das offensichtliche Fehlen einer kontinuierlichen differenzierten Thematisierung erfolgt in den letzten Jahren zumindest zu Teilen in den analysierten Medien eher eine Verstärkung und Verstetigung von Negativ-Mustern als ihre Überwindung“, konstatierte Studienleiter Olaf Jacobs, der als Honorarprofessor an der Universität Leipzig lehrt. […]
Wichtiger wäre ihr, angesichts der Bedrohung durch US-amerikanische und chinesische Plattformen über alternative Journalismus-Modelle nachzudenken – jenseits klassischer Marktabhängigkeiten. Diese Debatte sei Teil der friedlichen Revolution von 1989 gewesen, aber dank der Turbo-Privatisierung schneller erstickt worden, als sich daraus tragfähige Modelle jenseits von Werbeeinnahmen und Partei-Einflüssen entwickeln ließen. Insofern, meint die Transformationsexpertin, sollte die Frage eher lauten: Welchen Journalismus braucht ganz Deutschland?
Michael Seidel, tagesschau.de, 08.04.2026 (online)

