Das lässt sich so allgemein gar nicht sagen. Der Lokaljournalismus bricht weg. Die Printmedien haben große Sorgen, mit ihrem Werbeerlös-Modell klarzukommen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist seit Jahren in einem Erklärungsmodus, warum der Rundfunkbeitrag erhöht werden muss. Die allgemeine Einschätzung ist, dass er sehr solide dasteht, die Leute ihn gerne nutzen, aber im Zuge des Medienmixes nicht mehr so gerne bezahlen wollen. Auch weil bestimmte Meinungen vielleicht nicht mehr so repräsentiert sind, wie es war, als es noch eine klare Trennung der Politmagazine gab in rechts und links. Aber letzten Endes können wir uns, wenn wir vergleichen, was in anderen Ländern stattfindet, eigentlich ganz glücklich schätzen. Weil wir hier ein dichtes Netz an unterschiedlichen Medien haben, die verlässlich arbeiten, auch wenn Fehler passieren. […]
Der Meinungskorridor ist tatsächlich enger geworden. Aber meine Lösung sieht nicht so aus, dass man ihn wieder erweitern sollte. Sondern man sollte die Perspektivenvielfalt erhöhen, indem mehr Menschen aus der Gesellschaft ungefiltert zu Wort kommen. Ich möchte kein linkes Politmagazin sehen und auch kein rechtes. Sondern knallharte Recherchen. Ich möchte politische Einschätzungen, die nicht getragen sind von einer Ideologie. Sich zu positionieren in einem politischen Spektrum, halte ich für nicht mehr zeitgemäß. Auf dieser Basis könnte der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr Vertrauen schaffen.
Jörg Wagner, sueddeutsche.de, 26.12.2025 (online)

