In ihr Berufsleben sei sie „reingegangen mit der Überzeugung, wenn ich gut genug bin, dann schaffe ich das, ganz egal, ob ich eine Frau bin. Oder wenn mich das Glück trifft, trifft mich das Glück“. Dass es da dieses Missverhältnis zwischen Männern und Frauen gibt, sei ihr nicht klar gewesen, „vielleicht weil ich eine Vätergeneration vor Augen hatte, wo es immer hieß, du musst einfach nur ein bisschen mehr arbeiten als die anderen, um etwas zu erreichen“. Sie ist Jahrgang 1978 und beschreibt einen Erkenntnisprozess, der vielleicht symptomatisch ist für ihre Frauengeneration – für die Töchter der Männerwelt-Väter.
Sie sagt, dass die erfahreneren Frauen sich eins klarmachen müssten: Gut möglich, dass sie es geschafft haben, weil sie genug dafür gearbeitet haben „oder ehrgeizig genug waren oder fleißig genug oder bescheuert genug“, aber der persönliche Erfolg sei kein Beweis für Gerechtigkeit. „Wir müssen uns das offen eingestehen, statt Erfolg als Beweis für Fairness misszuverstehen.“
Es habe diese Zeit nach der Filmhochschule gegeben, in der man sie fragte, ob sie sich mal ein Projekt ansehen könne, denn dafür suche man eine Frau. „Ich habe das gehört, aber selten angemessen darauf reagiert. Ich hätte fragen sollen, wen oder was sie da meinen.“ Stattdessen „habe ich mir einfach manchmal nur gedacht, na bitte, ist doch egal, wieso sie mich fragen, Hauptsache, sie fragen“.
Pia Strietmann, sueddeutsche.de, 04.01.2025 (online)

