Die „Ila“, die ehrenamtlich produzierte Zeitschrift der »Informationsstelle Lateinamerika« aus Bonn, feiert sich. Eine Gewissheit: „Solange es den Kapitalismus gibt, wird dieser Planet nicht gerettet werden. Schließlich steht der Kapitalismus im Widerspruch zum Leben, zur Umwelt, zum Menschen, zu den Frauen.“ So formulierte es Berta Cáceres, die indigene Aktivistin aus Honduras, die vor zehn Jahren ermordet wurde, weil sie gegen kapitalistische Großprojekte kämpfte und ihr Territorium verteidigte. Es ist ein Zitat aus der Septemberausgabe der Zeitschrift „Ila“, die „Frau und territorio“ zum Thema hat. Der deutschen Definition von „Territorium“ als Herrschaftsgebiet wird eine lateinamerikanische Definition entgegengestellt: „Territorio“ als „Begriff für ein ganzheitliches Verbindungsgeflecht innerhalb eines geografisch nicht klar begrenzten Gebietes“. Diese Kontrastierung ist typisch für die „Ila“, die dieses Jahr ihren 50. Geburtstag feiert.
Das Kürzel „Ila“ steht für Informationsstelle Lateinamerika. Zu Beginn, vor einem halben Jahrhundert, begriff man sich in Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt, eher als ein Organisationsbüro und weniger als eine Redaktion, entstanden aus der Solidaritätsbewegung. „Wir haben graue Literatur zu Lateinamerika gesammelt und zur Verfügung gestellt, wir hatten Materiallisten mit bis zu über 100 Titeln, weil es das nirgendwo in Deutschland und Österreich gab“, erinnert sich Werner Rätz, der von Anfang an dabei war. „Ein ganzer Raum war voll mit Broschüren, Heften, Flugschriften.“
Politische Analyse und Informationsbeschaffung setzte journalistische Recherche voraus.
Gaston Kirsche, nd-aktuell.de, 04.09.2026 (online)

