Mit Unterbrechungen in seinem Fernseh- und Radioprogramm, mit schwarzen Kacheln anstelle der üblichen Bilder in mehreren Beiträgen warnt er vor den Folgen der medienpolitischen Pläne der AfD, die auf eine Abschaffung des MDR in der bisherigen Form hinauslaufen.
Der ungelenk klingende Negativslogan lautet: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts – Keinen MDR mehr in Sachsen-Anhalt? Und damit auch kein Mitmachen statt Meckern? Das könnte passieren.“ Ob das jemanden am Wahlsonntag wirklich vom Kreuz bei der AfD abhält? Weil die Gefahr besteht, dass er dann nicht mehr (wo genau?) „mitmachen“ kann – was ehrlich gesagt sowieso von einer verqueren journalistischen Programmatik zeugt. Das Mitmachen der Zuschauer ist nun wirklich nicht der vornehmste öffentlich-rechtliche Auftrag.
Viel eher ist anzunehmen, dass eine solch vorauseilende Dystopieprognose das Gegenteil bewirkt – dass die Leute nämlich das Gefühl bekommen, hier sähen die institutionell Etablierten ihre letzten Felle davonschwimmen und bettelten deshalb nun aufgeschreckt um Solidarität. Vom stolzen Selbstbewusstsein etwa eines Stephen Colbert, jenem US-Fernsehmoderator, der aus politischen Gründen zensiert und gecancelt wurde, ist das meilenweit entfernt. Die Titanic-Kapellen-Devise beim MDR müsste stattdessen lauten: senden, senden und immer noch besser senden, auch wenn alle anderen schon ängstlich vom sinkenden Schiff springen.
Simon Strauß, faz.net, 26.08.2026 (online)

