Zitiert: Nun hat sich auch der Mitteldeutsche Rundfunk in den Wahlkampf hineinbegeben

Mit Unterbrechungen in seinem Fernseh- und Radioprogramm, mit schwarzen Kacheln anstelle der üblichen Bilder in mehreren Beiträgen warnt er vor den Folgen der medienpolitischen Pläne der AfD, die auf eine Abschaffung des MDR in der bisherigen Form hinauslaufen.

Der ungelenk klingende Negativslogan lautet: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts – Keinen MDR mehr in Sachsen-Anhalt? Und damit auch kein Mitmachen statt Meckern? Das könnte passieren.“ Ob das jemanden am Wahlsonntag wirklich vom Kreuz bei der AfD abhält? Weil die Gefahr besteht, dass er dann nicht mehr (wo genau?) „mitmachen“ kann – was ehrlich gesagt sowieso von einer verqueren journalistischen Programmatik zeugt. Das Mitmachen der Zuschauer ist nun wirklich nicht der vornehmste öffentlich-rechtliche Auftrag.

Viel eher ist anzunehmen, dass eine solch vorauseilende Dystopieprognose das Gegenteil bewirkt – dass die Leute nämlich das Gefühl bekommen, hier sähen die institutionell Etablierten ihre letzten Felle davonschwimmen und bettelten deshalb nun aufgeschreckt um Solidarität. Vom stolzen Selbstbewusstsein etwa eines Stephen Colbert, jenem US-Fernsehmoderator, der aus politischen Gründen zensiert und gecancelt wurde, ist das meilenweit entfernt. Die Titanic-Kapellen-Devise beim MDR müsste stattdessen lauten: senden, senden und immer noch besser senden, auch wenn alle anderen schon ängstlich vom sinkenden Schiff springen.

Simon Strauß, faz.net, 26.08.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)