Die Filmemacherin und Kuratorin Grit Lemke kuratiert die neue DOK-Leipzig- Sektion „Fokus Ost“. Was sie bewirken soll und zu bieten hat. […]
Die Intendantin Ola Staszel, die seit Januar 2026 die künstlerische Leitung und Geschäftsführung des Festivals innehat, erklärt in der Pressemitteilung das Ziel: Man wolle ostdeutschen Perspektiven im Dokumentarfilm mehr Raum geben. Kuratorin Lemke beschreibt ihren Ansatz als Versuch, eine Lücke zu schließen und Gegenerzählungen sichtbar zu machen – verbunden mit der Frage, warum ostdeutsche Vielfalt bislang zu wenig erzählt werde und wer darüber entscheide. […]
Zum Schwerpunkt „Fokus Ost“ gehören insgesamt zehn Dokumentarfilme, acht davon feiern bei DOK Leipzig ihre Weltpremiere. Neben dem Eröffnungsfilm zeigt die Sektion weitere Filme. Eine Talkserie begleitet das Programm: Diskutiert werden soll, wie ostdeutsche Lebensrealitäten im Dokumentarfilm repräsentiert werden, mit welchen Hürden Filmschaffende konfrontiert sind und welchen Weg ihre Filme in Kino, Fernsehen und Streaming finden. […]
In einem Interview mit der Berliner Zeitung beschrieb sie die Erfahrung vieler Ostdeutscher nach 1990 als eine Form von strukturellem Machtgefälle, wie es in der Forschung unter dem Begriff „interner Kolonialismus“ diskutiert wird – vergleichbar etwa mit dem historischen Verhältnis Englands zu Schottland, Wales oder Irland.
Zugleich wehrte sie sich gegen den ihr entgegengebrachten Vorwurf der Selbstviktimisierung: Wer Missstände öffentlich benenne, so Lemke, mache sich damit gerade nicht zum Opfer, sondern übe Selbstermächtigung aus.
Ulrich Seidler, berliner-zeitung.de, 15.09.2026 (online)

