Zitiert: „Montanmitbestimmung“ bei ARD und ZDF

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steckt in einer Legitimationskrise. Zu groß, zu behäbig, zu teuer, zu rot-grün. Zeit für eine trotzige Bestandsaufnahme. […]

Was können wir aus der oft ernüchternden Gegenwart der immer gleichen Radiowellen– flache Routinen, Dauerberieselung, selbstreferenzielles Gerede – lernen? Ein anderes Radio ist möglich, eines, das wie zu seinem Beginn die Welt erschließt, Bildung nicht nur für Eliten verspricht und als akustischer Marktplatz gemeinsamer Erfahrung fungiert. Dem entgegen stehen allerdings die Krisen unserer Zeit und deren mediale Folgen: Kommerzialisierung, Quotendruck und Plattformökonomie haben das Medium entkernt und die Öffentlichkeit zersplittert.

Doch gerade im Angesicht von Podcasts, Algorithmen und fragmentierter Gesellschaft lässt sich Radio neu denken: nicht als bloßer Sender, sondern als Ermöglicher von Öffentlichkeit im emphatischen Sinn – als Ort, an dem Menschen sich begegnen, streiten, denken. Die Zukunft liegt nicht im Rückgriff, sondern im Aufbruch: weniger Beschallung, mehr gelebte Öffentlichkeit. […]

Nun, bei all dem Gerangel zwischen Politikern, ARD-Mächtigen und Rundfunkräten kommt eine Gruppe über die Jahrzehnte kaum vor als Akteur: die Produzenten selbst, die Redakteure und Redakteurinnen. Es gibt nur schwache Redaktionsstatuten und das nicht überall. Redakteursausschüsse haben kaum eine Möglichkeit, sich im Rundfunkrat hörbar zu machen. Vor allem aber: die Leidenschaft für Mitbestimmung ist gering. Vielleicht könnten wirkliche Einwirkungsmöglichkeiten sie wecken. Und die Forderung läge eigentlich nahe: Um bei der Versorgung mit notwendigen Gütern das Gewinnstreben und das allgemeine Interesse zu balancieren, wurde nach dem Krieg die Montanmitbestimmung eingeführt. 50 Prozent der Aufsichtsräte stellen dort die unmittelbaren Produzenten oder ihre Vertreter. Sollte nun nicht die Produktion von „jener Art von Energie …, ohne deren Zufluss Störungen auftreten, die den demokratischen Staat selbst beschädigen“ (wie Jürgen Habermas formulierte) ebenso gegen Partialinteressen gesichert werden? Warum also nicht den Redakteuren und Journalistinnen eine starke Position in den Rundfunkräten geben? Es würde die Kompetenz der Räte heben, die Intendanten gegenüber der Politik stärken, und die Medienkontrolle den Verbandseliten entwinden. Es wäre auch der Anfang eines Dialogs zwischen den Radiomacherinnen und Fernsehschaffenden und ihren Mitbürgern. Das klingt angesichts der Kräfteverhältnisse utopisch, aber wer das Radio retten will, sollte nicht zu wenig fordern. Große Probleme erfordern große Lösungen.

Mathias Greffrath, Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 12.04.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)