Zitiert: Menschen müssen sich fragen, welchen Journalismus sie wollen

Wenn wir nichts mehr dagegen vorbringen können, dass eine künstliche Intelligenz Texte übersetzt – die immer auch auf anderen Texten basieren –, warum sollte dann etwas dagegen einzuwenden sein, dass sie auch Texte erzeugt, und zwar aus dem gespeicherten Reservoir schon erzeugter Texte heraus, mit dem sie trainiert wurde?

Was soll ein Text? Ist es tatsächlich seine wesentliche Eigenschaft, dass er etwas Neues enthält? Hängt nicht der Buchmarkt aktuell von Genretexten ab, die in den Bereichen Krimi, New Adult, Fantasy genau dadurch reüssieren, dass sie alte Motive neu arrangieren? Und kann das die KI nicht besser als jeder vor sich hin skribierende Mensch?

Antworten auf die hier gestellten Fragen liegen nicht in der Technik. Es sind die Menschen, die sich fragen müssen, welchen Journalismus sie wollen und wozu sie Texte brauchen. Viel Zeit zum Abwarten bleibt nicht.

Ambros Waibel, taz.de, 17.06.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)