Zitiert: Meinungsjournalismus ist ein Angebot zur Erklärung der Welt

Er beinhaltet oft jahrelange Beschäftigung mit und Expertise bei einem Thema, exklusive Zugänge zu Informationen, persönliche Wertvorstellungen von Individuen, denen man Vertrauen entgegenbringen kann. Das ist der Mehrwert von Meinungsjournalismus.

Eine von der KI erklärte Welt ist dagegen kein Produkt, das sich als Journalismus verkaufen lässt. Erstens, weil es dafür bald keinen Markt mehr gibt, wenn die Menschen auf den Trichter kommen, dass sie sich ihre eigenen Kommentare generieren lassen können – und zwar deutlich billiger und stets mit der gewünschten Meinung, die nicht unangenehm am eigenen Weltbild rüttelt.

Und zweitens, und das ist der noch entscheidendere Punkt: weil es kein Journalismus ist. KI-generierter Journalismus ist Verbrauchertäuschung. Wo Journalismus draufsteht, darf kein überdimensionierter Taschenrechner drin sein. Selbst dann nicht, wenn der ungeübte Leser den Unterschied nicht sofort bemerkt. Denn genau hier geht das für die Demokratie so unerlässliche Medienvertrauen flöten – und zwar zurecht.

Journalismus hat immer nur deshalb funktioniert, weil die Branche von einer gemeinsamen Ethik zusammengehalten wurde. Die war natürlich stets dehnbar und ist an der einen oder anderen Stelle auch schon häufiger mal gerissen. Die Branche hat haarsträubende Fehler gemacht, Journalisten wie etwa Claas Relotius haben ihre Redaktionen, aber auch die Medien und Menschen an sich mutwillig getäuscht.

Doch das System Journalismus ist nicht denkbar, wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass Medienschaffende alles in allem wahrhaftig arbeiten. Es ist nie möglich, jede einzelne Information hundertprozentig zu überprüfen. Journalisten müssen sich daher gegenseitig vertrauen können, dass sich alle an die selbstgegebenen Regeln halten.

Jana Ballweber, Medium Magazin, 15.06.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)