Aber Literatur im Fernsehen – die Rede ist von den Öffentlich-Rechtlichen; RTL, ProSieben et cetera kann man in dieser Hinsicht vergessen – muss ja nicht nur aus Menschen bestehen, die über Bücher reden. Literatur im Fernsehen ist auch der Kafka-Sechsteiler von ORF und ARD, die Doku von Dominik Graf über Schriftsteller in der Nazi-Zeit oder die Beteiligung von Arte am Netzwerk der Literaturhäuser. Klar, im Fernsehen ist vieles elend, der Sport buttert die Kultur unter, und Quizsendungen sind wichtiger als die Buchmessen oder gar Bücher als solche. Und natürlich sitzen überall ängstliche, satte und/oder unkundige Kulturredaktionsbeamte. Sagen die Nichtfestangestellten. Und die Feuilletonisten von außerhalb, wenn sie nicht gerade die eigene Lage beklagen. Aber dafür, dass etliche meinen, es sei fast alles tot im Kulturfernsehen, liegt erstaunlich viel Strand unter dem Pflaster. Zumindest wenn man die Mediatheken neugierig durchscrollt.
Kurt Kister, sueddeutsche.de, 16.04.2026 (online)

