Journalismus soll gesellschaftliche Wirklichkeit in ihrer Vielfalt abbilden, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und Menschen in die Lage versetzen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Damit erfüllt er eine zentrale demokratische Funktion. Soziale Herkunft prägt unsere Erfahrungen und unseren Blick auf die Welt. Wenn in Redaktionen überwiegend Menschen mit ähnlichen Herkunftserfahrungen arbeiten, besteht die Gefahr, dass bestimmte Lebensrealitäten, Themen und Sichtweisen weniger wahrgenommen oder anders behandelt werden. Und das berührt auch die Frage des Vertrauens. Wir wissen aus anderen Untersuchungen, dass sich ein Teil der Bevölkerung in der Themenauswahl und im Meinungsspektrum der Medien nicht ausreichend repräsentiert sieht und dass das Medienvertrauen mit sinkendem Bildungsniveau tendenziell abnimmt. Deshalb ist soziale Vielfalt im Journalismus für mich nicht nur eine Frage von Fairness und Teilhabe, sondern auch von Perspektivenvielfalt und gesellschaftlicher Repräsentation.
Tanja Köhler, ejo-online.de, 03.09.2026 (online)

