Für viele Zwecke braucht es das gar nicht mehr. Sogar wenn man schreiben möchte, kann man Nachrichten diktieren. Aber wenn man etwas sagen will, schickt man eine Audio oder ein Video. Wenn man was wissen will oder sich berieseln lassen will, fragt man eine KI oder hört einen Podcast. Oder man gibt sich einfach Videos bei Tiktok hin und kommt da nicht mehr raus. Die Tiktok-Trap. Das ist der neue Modus.
Wenn die Orte, an denen sich alles abspielt, die Plattformen sind – und so scheint es zu sein –, prägen ihre Algorithmen die Kommunikation. Die Idee eines „Freunde-Netzwerks“ wie ein Facebook mit drangeflanschtem Messenger erscheint heute fast mittelalterlich. Daher haben Freunde oder Follower bei Tiktok nahezu vollkommen an Bedeutung verloren.
Es geht allein um die Qualität der Inhalte. Qualität allerdings im Sinne von: Was bringt die größte Aufmerksamkeit? Das ist bei der Produktion von Inhalten auch ein Anreiz. Und damit findet automatisch eine Professionalisierung statt. Alle sehen die erfolgreichsten Videos. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist die Emotionalität. Ein Inhalt muss irgendwas auslösen.
Nüchterne Nachrichten fühlen sich eher gar nicht an. Daher kommen sie auch praktisch nicht vor.
Ralf Heimann, MDR Altpapier, 27.11.2025 (online)

